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KI 2026: Genialer Assistent oder das Ende der Kreativität?

Die Visionen von gestern sind heute unser Arbeitsalltag. KI generiert Kampagnen in Sekunden, personalisiert Kundenreisen in Echtzeit und liefert uns Datenanalysen von beeindruckender Präzision. Doch, während die Maschinen immer effizienter werden, stellen wir uns im Marketing eine entscheidende Frage: Haben wir die Kreativität an den Algorithmus delegiert oder haben wir sie gerade erst entfesselt?

In einer Welt, in der Perfektion auf Knopfdruck verfügbar ist, wird das “Menschliche” zur neuen Luxuswährung. Es geht nicht mehr darum, ob die Technik funktioniert – das tut sie – sondern darum, ob wir sie führen oder uns von ihr treiben lassen. Ich bin überzeugt, dass eine der wichtigsten Voraussetzung im Umgang mit KI das Handwerk der klugen Fragen ist. Fachsprachlich «Prompting».

Gutes Prompting bedeutet heute nicht mehr, die richtigen Wörter zu kennen, sondern das Problem so tief zu verstehen, dass man der KI den perfekten Rahmen setzen kann.

Die goldene Regel für 2026: «Output = (Input + Kontext) × Kritik». Nachfolgend die Umsetzung der Formel für erstklassiges Prompting:

1. Die Rollenzuweisung (Persona-Design)

Sagen Sie der KI nicht nur, was sie tun soll, sondern wer sie dabei ist. Je spezifischer die Expertenrolle, desto präziser die Tonalität.

Schlecht: „Schreib einen Text über Marketing.“
2026-Standard: „Handle als Senior Stratege für B2B-Kunden mit Fokus auf Customer-Retention. Dein Schreibstil ist analytisch, aber nahbar.“

2. Der „Context-Dump“ (Die Informations-Basis)

KI im Jahr 2026 ist nur so gut wie die Daten, die sie erhält. Geben Sie ihr Hintergrundwissen, die sie nicht im Web findet, aber bitte keine vertraulichen.

Zielgruppe: Wer liest das? (Ängste, Wünsche, Wissensstand)
No-Gos: Welche Begriffe oder Phrasen sollen unbedingt vermieden werden?
Referenzmaterial: „Nutze die Tonalität aus dieser beigefügten Case Study als Vorbild.“

3. Aufgaben-Strukturierung (Chain-of-Thought)

Verlangen Sie keine komplexen Ergebnisse in einem Schritt. Zwingen Sie die KI dazu, laut zu „denken“.

Der Befehl: „Analysiere zuerst die Zielgruppe, erstelle dann eine Gliederung und schreibe erst im letzten Schritt den Entwurf.“
Warum? Schrittweises Vorgehen reduziert „Halluzinationen“ und erhöht die logische Konsistenz massiv.

4. Format- und Output-Definition

Seien Sie extrem präzise, wie das Ergebnis aussehen soll. Das spart 80% der Nacharbeit.

Vorgaben: „Gib das Ergebnis in einer Tabelle mit drei Spalten aus (Vorteil, Nachteil, Handlungsempfehlung).“
Länge & Struktur: „Maximal 300 Wörter, nutze Bulletpoints für die Hauptvorteile und beende den Text mit einem provokanten Call-to-Action.“

5. Das „Iterative Refinement“ (Der Dialog)

Betrachten Sie den ersten Output niemals als final. Ein guter Prompter (Frager) ist ein guter Lektor.

Feedback-Schleife: „Der zweite Absatz ist zu werblich. Formuliere ihn faktenbasierter um und nimm Bezug auf die aktuelle Marktstudie aus Kapitel 1.“

Fazit

Es geht darum, wie Marketing-Experten heute zu „Regisseuren“ der KI werden. Die KI liefert die Antworten, aber die richtigen Fragen stellt immer noch der Mensch – und genau darin liegt die Zukunft der Kreativität.

Bei Fragen kontaktieren Sie mich.

Autorin
Iris Affolter

 

 

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